Es gibt Gewässer, die an der Oberfläche vollkommen ruhig wirken und darunter in völlig andere Richtungen fließen. Wer nur auf den Wasserspiegel von oben schaut, hält das Wasser für still. Wer einen Ast hineinwirft, wundert sich, wohin er treibt.
Zum Vergrößern bitte anklicken
Viele Organisationen kennen dieses Phänomen aus ihrer eigenen Entscheidungskultur, ohne es so zu benennen. Die Oberfläche, das Protokoll, der Beschluss, die nickenden Köpfe am Ende eines Meetings, zeigen Einigkeit. Darunter fließt etwas ganz anderes, z.B. unausgesprochene Vorbehalte, halbherziges Commitment, die stille Gewissheit einiger Beteiligter, dass das hier so nicht umgesetzt werden wird. Und tatsächlich taucht dieselbe Frage Wochen später wieder auf, leicht verändert formuliert, aber im Kern unberührt, während das Protokoll vom letzten Mal noch im Teams-Kanal zur Durchsicht liegt.
Das ist kein “Versagen” der Organisation oder von Einzelnen. Es ist das Ergebnis einer Verwechslung, die sprachlich nicht einmal auf den ersten Blick auffällt, die Verwechslung von Beschluss und Entscheidung.
Ein Beschluss ist ein formaler Akt, protokollierbar und abhakbar, entstanden in einem Gremium, das sich anschließend in den Alltag auflöst. Eine Entscheidung ist etwas grundlegend anderes, nämlich ein innerer Vorgang, der Ambivalenz durcharbeitet, Alternativen wirklich schließt und eine Verbindlichkeit in der Sache erzeugt, die über den Moment des Zusammenkommens weit hinausreicht.
“Während der Beschluss auf dem Papier lebt, lebt die Entscheidung in den Köpfen und Haltungen der Menschen, die danach handeln sollen.”
Organisationen sind sehr gut darin, das eine zu produzieren, und erheblich schlechter darin, das andere zu ermöglichen, was strukturell erklärbar ist, denn die Formate, in denen Entscheidungen fallen, sind in den meisten Häusern auf Effizienz getrimmt: klare Agenda, begrenzter Zeitrahmen, messbares Ergebnis.
Was dabei systematisch unter den Tisch fällt, ist der Prozess, der einen Beschluss überhaupt erst zur echten Entscheidung macht, nämlich das Durcharbeiten von Widersprüchen, das Aussprechen von Bedenken, die sich nicht als sauberes Argument formulieren lassen, sondern nur als Bauchgefühl, und das gemeinsame Ringen um Bedeutung.
Um zu verstehen, warum das so hartnäckig ist, lohnt ein kurzer Umweg in die Psychologie. Sogenannte kognitive Verzerrungen sind systematische Muster in der menschlichen Wahrnehmung und im Denken, die dazu führen, dass wir Informationen nicht neutral verarbeiten, sondern durch Filter, die uns oft gar nicht bewusst sind. Sie entstehen nicht aus Dummheit oder schlechtem Willen, sondern aus der Art, wie das menschliche Gehirn mit Komplexität umgeht. Es versucht, durch Vereinfachung, durch Muster, durch Abkürzungen, die im Alltag oft nützlich sind, Situation zu beurteilen und Handlungen abzuleiten.
In Gruppen verstärken sich solche kognitive Verzerrungen noch, weil soziale Dynamiken hinzukommen, z.B. der Wunsch nach Zugehörigkeit, die Tendenz zur Anpassung, die Kraft des Schweigens als scheinbare Zustimmung. Was im Einzelnen schon eine Tendenz ist, wird in der Gruppe zur unsichtbaren Strömung unter dem ruhigen Wasserspiegel.
Eine dieser Verzerrungen ist in der Medizin besonders gut beschrieben und trägt den treffenden Namen Premature Closure, die verfrühte Schließung. Ursprünglich bezeichnet sie den Moment, in dem ein Arzt eine Diagnose als abgeschlossen betrachtet, bevor alle relevanten Informationen geprüft wurden, weil das erste plausible Bild stark genug war, um die Suche nach Alternativen zu stoppen. Premature Closure beschreibt den Abschluss des Diagnoseprozesses, bevor die eigentliche Diagnose identifiziert wurde, was häufig daraus resultiert, dass eine entscheidende Information nicht eingeholt oder eine bestehende Einschätzung nicht revidiert wird.
Was in der Medizin zur Fehldiagnose führt, erzeugt in Organisationen Beschlüsse ohne Substanz. Das Bild ist so präzise wie ungemütlich: ein Deckel, der auf einen Schnellkochtopf gelegt wird, in dem Stück für Stück der Druck steigt. Nach außen sieht es verschlossen aus. Innen arbeitet es bedrohlich weiter.
Premature Closure in Entscheidungsprozessen entsteht selten aus Nachlässigkeit, sondern aus einem Zusammenspiel von Kräften, die im Einzelnen völlig vernünftig erscheinen. Zu den wesentlichen begünstigenden Faktoren kognitiver Verzerrungen in Entscheidungssituationen zählen fehlende unvoreingenommene Rückmeldung, soziales Verhalten und Überzeugungen sowie Zeitdruck.
Übersetzt in den Organisationsalltag bedeutet das: Zeitdruck signalisiert, dass Tiefe ein Luxus ist, den man sich gerade nicht leisten kann. Hierarchie signalisiert, wessen Bedenken zählen und welche besser unausgesprochen bleiben. Gruppendynamik sorgt dafür, dass sich eine scheinbare Einigkeit herstellt, die niemand wirklich trägt, weil der soziale Aufwand des Widerspruchs höher erscheint als der Aufwand des Schweigens.
Das Ergebnis ist ein Beschluss, der wie eine Entscheidung aussieht und keine ist. Es ist der Deckel auf dem Schnellkochtopf, in dem es “weiterarbeitet”, bis der Druck irgendwann sichtbar wird, meist in Form von Verzögerungen, parallelen Interpretationen desselben Protokolls oder der stillen Erschöpfung von Menschen, die immer wieder dieselben Diskussionen führen, weil die erste nie wirklich zu Ende gedacht wurde.
Der leider schon verstorbene Neurowissenschaftler und Organisationsberater Peter Kruse hat diesen Mechanismus bereits 2008 in seinen „8 Regeln des totalen Stillstandes” beschrieben. Dabei handelt es sich um eine Sammlung, die auf den ersten Blick wie Satire wirkt und bei genauem Hinsehen die Präzision einer Röntgenaufnahme hat. Was damals als pointierte Diagnose gedacht war, hat sich in den vergangenen fast zwanzig Jahren nicht erledigt, sondern verfestigt, weil die strukturellen Bedingungen, die Kruse beschrieb, durch Digitalisierung und Beschleunigung nicht verschwunden, sondern verstärkt worden sind.
Gerne bringen wir das Video mit Peter Kruse zu den 8 Regeln für den totalen Stillstand (2008) in Workshops mit. Fast immer erkennen die Teilnehmenden ihre eigene Organisation und nicht selten sich selbst mit einem Augenzwinkern und Lachen darin wieder. Das bestätigt nebenbei auch die Erfahrung, wo Humor und Lachen ihren Platz haben, öffnen sich die Türen zur (Selbst-)Erkenntnis viel leichter.
Eine der Regeln widmet sich dem, was Kruse schnelles Commitment nennt: Beschlüsse sollen auf der formellen Ebene möglichst rasch konsensfähig sein, um dann informell ausgiebig in Frage gestellt zu werden. Kruse formuliert es so: „Sorgen Sie dafür, dass die Leute schnell nicken. Je schneller die nicken, desto weniger haben Sie sich klar gemacht, was Sie gerade abgenickt haben. Und schon in dem Moment, wo die aufstehen, sieht man das den Gesichtern an: Da müssen wir erstmal gucken, ob das so wirklich so geht.” Und dann folgt der Satz, der es auf den Punkt bringt: „Quälen Sie sich nicht vor der Entscheidung. Dann quälen sich alle ausreichend nach der Entscheidung.”
Eine weitere Regel vervollständigt das Bild: Maximale Beschlussdynamik bei minimaler Umsetzungsdynamik, denn die Veränderungsgeschwindigkeit auf der Beschlussebene soll stets größer sein als auf der Umsetzungsebene.
Was Kruse 2008 beschrieb, klingt 2026 nicht nach Vergangenheit, es klingt nach letzter Woche. Die Meetings sind kürzer geworden, vieles wird unter dem Deckmantel “Agilität” beschleunigt, die Beschlüsse werden schneller, die Werkzeuge digitaler, und der Deckel steht heute mehr denn je unter Druck.
Was lässt sich konkret tun? Keine der folgenden Empfehlungen ist für sich genommen neu, aber ihre Wirkung entsteht aus der Kombination von Haltung und Handwerk, und aus der Bereitschaft, den Deckel manchmal noch einen Moment offen zu lassen.
In unserer Arbeit, ob in Strategieprozessen, in Veränderungsprojekten oder im Coaching von Führungskräften, begegnet uns dieser Mechanismus regelmäßig und zuverlässig, nicht als Ausnahme, sondern als strukturelle Normalität, die in den meisten Organisationen niemanden mehr überrascht, weil sie so selbstverständlich geworden.
Der entscheidende Hebel liegt selten in der Qualität des Beschlusses selbst, sondern in dem, was im Raum passiert, bevor das Protokoll geschrieben wird, und in dem, was danach bewusst begleitet wird. Wer dort investiert, in echten Dialog, in das Aussprechen von Ambivalenz, in ein klares Bild davon, wer was wirklich trägt, der hält den Deckel lange genug offen, bis das, was darunter gärt, wirklich fertig ist.
Peter Kruse hat seine Regeln als Einladung zur Verfügung gestellt, genauer hinzuschauen, was passiert, wenn Organisationen Geschwindigkeit mit Klarheit verwechseln.
Fast zwanzig Jahre später haben diese Regeln nichts von ihrer Präzision in der Beschreibung verloren, und das ruhige Gewässer, das unter der ruhigen Wasseroberfläche in eine andere Richtung fließt, ist in den meisten Häusern noch dasselbe. Beschlossen ist nicht entschieden, und wer diesen Satz einmal wirklich verinnerlicht hat, schaut danach anders auf eine Agenda und in die Protokolle.
#Entscheidungskultur #Organisationsentwicklung #ChangeManagement #Leadership #PeterKruse #Transformation #KognitiveVerzerrungen
Autor des Beitrags:
Jochen Schuchardt
Tel.: +49.211.73.065.365
Mail: jochen.schuchardt [a t] sevenhorizons.de
Es gibt Gewässer, die an der Oberfläche vollkommen ruhig wirken und darunter in völlig andere Richtungen fließen. Wer nur auf den Wasserspiegel von oben schaut, hält das Wasser für still. Wer einen Ast hineinwirft, wundert sich, wohin er treibt.
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Viele Organisationen kennen dieses Phänomen aus ihrer eigenen Entscheidungskultur, ohne es so zu benennen. Die Oberfläche, das Protokoll, der Beschluss, die nickenden Köpfe am Ende eines Meetings, zeigen Einigkeit. Darunter fließt etwas ganz anderes, z.B. unausgesprochene Vorbehalte, halbherziges Commitment, die stille Gewissheit einiger Beteiligter, dass das hier so nicht umgesetzt werden wird. Und tatsächlich taucht dieselbe Frage Wochen später wieder auf, leicht verändert formuliert, aber im Kern unberührt, während das Protokoll vom letzten Mal noch im Teams-Kanal zur Durchsicht liegt.
Das ist kein “Versagen” der Organisation oder von Einzelnen. Es ist das Ergebnis einer Verwechslung, die sprachlich nicht einmal auf den ersten Blick auffällt, die Verwechslung von Beschluss und Entscheidung.
Ein Beschluss ist ein formaler Akt, protokollierbar und abhakbar, entstanden in einem Gremium, das sich anschließend in den Alltag auflöst. Eine Entscheidung ist etwas grundlegend anderes, nämlich ein innerer Vorgang, der Ambivalenz durcharbeitet, Alternativen wirklich schließt und eine Verbindlichkeit in der Sache erzeugt, die über den Moment des Zusammenkommens weit hinausreicht.
“Während der Beschluss auf dem Papier lebt, lebt die Entscheidung in den Köpfen und Haltungen der Menschen, die danach handeln sollen.”
Organisationen sind sehr gut darin, das eine zu produzieren, und erheblich schlechter darin, das andere zu ermöglichen, was strukturell erklärbar ist, denn die Formate, in denen Entscheidungen fallen, sind in den meisten Häusern auf Effizienz getrimmt: klare Agenda, begrenzter Zeitrahmen, messbares Ergebnis.
Was dabei systematisch unter den Tisch fällt, ist der Prozess, der einen Beschluss überhaupt erst zur echten Entscheidung macht, nämlich das Durcharbeiten von Widersprüchen, das Aussprechen von Bedenken, die sich nicht als sauberes Argument formulieren lassen, sondern nur als Bauchgefühl, und das gemeinsame Ringen um Bedeutung.
Um zu verstehen, warum das so hartnäckig ist, lohnt ein kurzer Umweg in die Psychologie. Sogenannte kognitive Verzerrungen sind systematische Muster in der menschlichen Wahrnehmung und im Denken, die dazu führen, dass wir Informationen nicht neutral verarbeiten, sondern durch Filter, die uns oft gar nicht bewusst sind. Sie entstehen nicht aus Dummheit oder schlechtem Willen, sondern aus der Art, wie das menschliche Gehirn mit Komplexität umgeht. Es versucht, durch Vereinfachung, durch Muster, durch Abkürzungen, die im Alltag oft nützlich sind, Situation zu beurteilen und Handlungen abzuleiten.
In Gruppen verstärken sich solche kognitive Verzerrungen noch, weil soziale Dynamiken hinzukommen, z.B. der Wunsch nach Zugehörigkeit, die Tendenz zur Anpassung, die Kraft des Schweigens als scheinbare Zustimmung. Was im Einzelnen schon eine Tendenz ist, wird in der Gruppe zur unsichtbaren Strömung unter dem ruhigen Wasserspiegel.
Eine dieser Verzerrungen ist in der Medizin besonders gut beschrieben und trägt den treffenden Namen Premature Closure, die verfrühte Schließung. Ursprünglich bezeichnet sie den Moment, in dem ein Arzt eine Diagnose als abgeschlossen betrachtet, bevor alle relevanten Informationen geprüft wurden, weil das erste plausible Bild stark genug war, um die Suche nach Alternativen zu stoppen. Premature Closure beschreibt den Abschluss des Diagnoseprozesses, bevor die eigentliche Diagnose identifiziert wurde, was häufig daraus resultiert, dass eine entscheidende Information nicht eingeholt oder eine bestehende Einschätzung nicht revidiert wird.
Was in der Medizin zur Fehldiagnose führt, erzeugt in Organisationen Beschlüsse ohne Substanz. Das Bild ist so präzise wie ungemütlich: ein Deckel, der auf einen Schnellkochtopf gelegt wird, in dem Stück für Stück der Druck steigt. Nach außen sieht es verschlossen aus. Innen arbeitet es bedrohlich weiter.
Premature Closure in Entscheidungsprozessen entsteht selten aus Nachlässigkeit, sondern aus einem Zusammenspiel von Kräften, die im Einzelnen völlig vernünftig erscheinen. Zu den wesentlichen begünstigenden Faktoren kognitiver Verzerrungen in Entscheidungssituationen zählen fehlende unvoreingenommene Rückmeldung, soziales Verhalten und Überzeugungen sowie Zeitdruck.
Übersetzt in den Organisationsalltag bedeutet das: Zeitdruck signalisiert, dass Tiefe ein Luxus ist, den man sich gerade nicht leisten kann. Hierarchie signalisiert, wessen Bedenken zählen und welche besser unausgesprochen bleiben. Gruppendynamik sorgt dafür, dass sich eine scheinbare Einigkeit herstellt, die niemand wirklich trägt, weil der soziale Aufwand des Widerspruchs höher erscheint als der Aufwand des Schweigens.
Das Ergebnis ist ein Beschluss, der wie eine Entscheidung aussieht und keine ist. Es ist der Deckel auf dem Schnellkochtopf, in dem es “weiterarbeitet”, bis der Druck irgendwann sichtbar wird, meist in Form von Verzögerungen, parallelen Interpretationen desselben Protokolls oder der stillen Erschöpfung von Menschen, die immer wieder dieselben Diskussionen führen, weil die erste nie wirklich zu Ende gedacht wurde.
Der leider schon verstorbene Neurowissenschaftler und Organisationsberater Peter Kruse hat diesen Mechanismus bereits 2008 in seinen „8 Regeln des totalen Stillstandes” beschrieben. Dabei handelt es sich um eine Sammlung, die auf den ersten Blick wie Satire wirkt und bei genauem Hinsehen die Präzision einer Röntgenaufnahme hat. Was damals als pointierte Diagnose gedacht war, hat sich in den vergangenen fast zwanzig Jahren nicht erledigt, sondern verfestigt, weil die strukturellen Bedingungen, die Kruse beschrieb, durch Digitalisierung und Beschleunigung nicht verschwunden, sondern verstärkt worden sind.
Gerne bringen wir das Video mit Peter Kruse zu den 8 Regeln für den totalen Stillstand (2008) in Workshops mit. Fast immer erkennen die Teilnehmenden ihre eigene Organisation und nicht selten sich selbst mit einem Augenzwinkern und Lachen darin wieder. Das bestätigt nebenbei auch die Erfahrung, wo Humor und Lachen ihren Platz haben, öffnen sich die Türen zur (Selbst-)Erkenntnis viel leichter.
Eine der Regeln widmet sich dem, was Kruse schnelles Commitment nennt: Beschlüsse sollen auf der formellen Ebene möglichst rasch konsensfähig sein, um dann informell ausgiebig in Frage gestellt zu werden. Kruse formuliert es so: „Sorgen Sie dafür, dass die Leute schnell nicken. Je schneller die nicken, desto weniger haben Sie sich klar gemacht, was Sie gerade abgenickt haben. Und schon in dem Moment, wo die aufstehen, sieht man das den Gesichtern an: Da müssen wir erstmal gucken, ob das so wirklich so geht.” Und dann folgt der Satz, der es auf den Punkt bringt: „Quälen Sie sich nicht vor der Entscheidung. Dann quälen sich alle ausreichend nach der Entscheidung.”
Eine weitere Regel vervollständigt das Bild: Maximale Beschlussdynamik bei minimaler Umsetzungsdynamik, denn die Veränderungsgeschwindigkeit auf der Beschlussebene soll stets größer sein als auf der Umsetzungsebene.
Was Kruse 2008 beschrieb, klingt 2026 nicht nach Vergangenheit, es klingt nach letzter Woche. Die Meetings sind kürzer geworden, vieles wird unter dem Deckmantel “Agilität” beschleunigt, die Beschlüsse werden schneller, die Werkzeuge digitaler, und der Deckel steht heute mehr denn je unter Druck.
Was lässt sich konkret tun? Keine der folgenden Empfehlungen ist für sich genommen neu, aber ihre Wirkung entsteht aus der Kombination von Haltung und Handwerk, und aus der Bereitschaft, den Deckel manchmal noch einen Moment offen zu lassen.
In unserer Arbeit, ob in Strategieprozessen, in Veränderungsprojekten oder im Coaching von Führungskräften, begegnet uns dieser Mechanismus regelmäßig und zuverlässig, nicht als Ausnahme, sondern als strukturelle Normalität, die in den meisten Organisationen niemanden mehr überrascht, weil sie so selbstverständlich geworden.
Der entscheidende Hebel liegt selten in der Qualität des Beschlusses selbst, sondern in dem, was im Raum passiert, bevor das Protokoll geschrieben wird, und in dem, was danach bewusst begleitet wird. Wer dort investiert, in echten Dialog, in das Aussprechen von Ambivalenz, in ein klares Bild davon, wer was wirklich trägt, der hält den Deckel lange genug offen, bis das, was darunter gärt, wirklich fertig ist.
Peter Kruse hat seine Regeln als Einladung zur Verfügung gestellt, genauer hinzuschauen, was passiert, wenn Organisationen Geschwindigkeit mit Klarheit verwechseln.
Fast zwanzig Jahre später haben diese Regeln nichts von ihrer Präzision in der Beschreibung verloren, und das ruhige Gewässer, das unter der ruhigen Wasseroberfläche in eine andere Richtung fließt, ist in den meisten Häusern noch dasselbe. Beschlossen ist nicht entschieden, und wer diesen Satz einmal wirklich verinnerlicht hat, schaut danach anders auf eine Agenda und in die Protokolle.
#Entscheidungskultur #Organisationsentwicklung #ChangeManagement #Leadership #PeterKruse #Transformation #KognitiveVerzerrungen
Autor des Beitrags:
Jochen Schuchardt
Tel.: +49.211.73.065.365
Mail: jochen.schuchardt [a t] sevenhorizons.de
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