
Stellen Sie sich ein Strategie-Meeting vor. Klimaanlage auf 21 Grad, Post-its an jeder Wand, die Geschäftsführung schwitzt über dem „Masterplan 2030“. Mittendrin: Paul, ein junger IT-Techniker, der eigentlich nur da ist, um den widerspenstigen Beamer zu bändigen. Er stolpert über ein Kabel, sein Marmeladenbrot landet – mit der klebrigen Seite zuerst – direkt auf einem Prototyp für einen neuen optischen Sensor. Stille. Entsetzen. Pauls Gesicht nimmt die Farbe der Erdbeermarmelade an.
In einer klassischen Kultur wäre Paul u.U. jetzt der „Störfaktor“, der das wichtige Meeting gefährdet. Doch in unserem Fall sagt die Entwicklungsleiterin: „Moment mal. Warum filtert die Marmeladenschicht das Infrarotlicht exakt so, wie wir es seit Monaten mit teuren Polymeren versuchen?“ Drei Monate später hält das Unternehmen ein Patent für einen kostengünstigen, biologisch abbaubaren Lichtfilter. Nicht, weil sie ihn gesucht haben. Sondern weil sie bereit waren, im Stolpern einen Tanzschritt zu sehen.
Zugegeben, es klingt und ist konstruiert, aber Pauls Geschichte zeigt, worum es geht, um “glückliche Stolperer”.
Was ist Serendipität eigentlich?
Der Begriff Serendipity ist ein echtes sprachliches Juwel. Er wurde 1754 von dem britischen Schriftsteller Horace Walpole geprägt. Er bezog sich auf das persische Märchen „Die drei Prinzen von Serendip“ (der alte Name für Sri Lanka). Diese Prinzen reisten durch die Welt und machten ständig Entdeckungen – durch Zufall und Scharfsinn –, nach denen sie gar nicht gesucht hatten (The Three Princes of Serendip – Wikipedia).
Der Versuch einer präziseren Annäherung an den Begriff:
Serendipität ist eben nicht bloßes Glück. Glück ist passiv (man gewinnt im Lotto). Serendipität ist aktiv. Es ist die Fähigkeit, eine unerwartete Beobachtung (den Auslöser) mit Scharfsinn zu kombinieren, um daraus einen wertvollen Nutzen zu ziehen. Es ist das „Gold des Zufalls“, das nur derjenige findet, der seinen Blick geschult hat.
Die Kritik: Alles nur esoterisches Voodoo?
Oft hören wir oft die Skeptiker: „Das klingt nach ‘Laissez-faire’. Wir können unser Unternehmen doch nicht auf Basis von Unfällen aufbauen“. Und die Kritikpunkte sind durchaus berechtigt:
Unsere Antwort: Serendipität ist kein Ersatz für Strategie und planvolles Vorgehen, sondern ihre adaptive Erweiterung. Es geht nicht darum, den Plan aufzugeben, sondern das System so sensibel zu machen, dass es wertvolle Abweichungen erkennt, bevor sie als „Ausschuss“ entsorgt werden.
Wo das Unerwartete Resonanz findet
Wenn wir Serendipität zulassen, ist sie kein Chaos, sondern die lebendige Bestätigung unserer Identität. Sie kann sich auch nicht zuletzt in jedem normativen Elemente einer Unternehmensidentität. Auf Stabilität ausgelegte Werkzeuge, Konzepte und Vorgedachtes werden in “adaptive Energie” verwandelt:
Purpose (Das Warum) – Die Sinn-Bestätigung:
Der Purpose filtert das Chaos und Beliebigkeit. Wenn Mitarbeiter im Zufall eine Chance erkennen, die exakt zum Daseinszweck passt, entsteht tiefe Resonanz.
Vision (Das Wohin) – Die strategische Abkürzung:
Der Nordstern bleibt fix, aber die Route wird durch glückliche Zufälle plötzlich drastisch verkürzt.
Mission (Das Was) – Der Innovations-Turbo:
Serendipität sprengt die Grenzen der gewohnten Mission und zeigt uns neue Wege, für den Kunden da zu sein und einen “Auftrag” zu erfüllen.
Werte (Das Fundament) – Die Mut-Probe:
Werte entscheiden, ob eine Zufallsentdeckung im Verborgenen bleibt oder zum Erfolg wird.
Drei gute Gründe für das bewusste Zulassen des glücklichen Stolperns
Die 5 Do’s (Serendipität aktivieren)
Die 5 Don’ts (Serendipität ersticken)
Zurück zu Paul…
Paul wurde zum „Serendipity-Botschafter“. Heute hängt in seiner Kantine ein Schild: „Fehler sind nur Antworten auf Fragen, die wir noch nicht gestellt haben.“
Wann sind Sie zuletzt “glücklich gestolpert”?
#Organisationsentwicklung #ChangeManagement #Serendipität #Unternehmenskultur #InnovationDurchZufall #MarmeladenbrotEffekt #Antifragilität #ScharfsinnStattPlan #GlücklicheStolperer
Autor des Beitrags:
Jochen Schuchardt
Tel.: +49.211.73.065.365
Mail: jochen.schuchardt [a t] sevenhorizons.de

Stellen Sie sich ein Strategie-Meeting vor. Klimaanlage auf 21 Grad, Post-its an jeder Wand, die Geschäftsführung schwitzt über dem „Masterplan 2030“. Mittendrin: Paul, ein junger IT-Techniker, der eigentlich nur da ist, um den widerspenstigen Beamer zu bändigen. Er stolpert über ein Kabel, sein Marmeladenbrot landet – mit der klebrigen Seite zuerst – direkt auf einem Prototyp für einen neuen optischen Sensor. Stille. Entsetzen. Pauls Gesicht nimmt die Farbe der Erdbeermarmelade an.
In einer klassischen Kultur wäre Paul u.U. jetzt der „Störfaktor“, der das wichtige Meeting gefährdet. Doch in unserem Fall sagt die Entwicklungsleiterin: „Moment mal. Warum filtert die Marmeladenschicht das Infrarotlicht exakt so, wie wir es seit Monaten mit teuren Polymeren versuchen?“ Drei Monate später hält das Unternehmen ein Patent für einen kostengünstigen, biologisch abbaubaren Lichtfilter. Nicht, weil sie ihn gesucht haben. Sondern weil sie bereit waren, im Stolpern einen Tanzschritt zu sehen.
Zugegeben, es klingt und ist konstruiert, aber Pauls Geschichte zeigt, worum es geht, um “glückliche Stolperer”.
Was ist Serendipität eigentlich?
Der Begriff Serendipity ist ein echtes sprachliches Juwel. Er wurde 1754 von dem britischen Schriftsteller Horace Walpole geprägt. Er bezog sich auf das persische Märchen „Die drei Prinzen von Serendip“ (der alte Name für Sri Lanka). Diese Prinzen reisten durch die Welt und machten ständig Entdeckungen – durch Zufall und Scharfsinn –, nach denen sie gar nicht gesucht hatten (The Three Princes of Serendip – Wikipedia).
Der Versuch einer präziseren Annäherung an den Begriff:
Serendipität ist eben nicht bloßes Glück. Glück ist passiv (man gewinnt im Lotto). Serendipität ist aktiv. Es ist die Fähigkeit, eine unerwartete Beobachtung (den Auslöser) mit Scharfsinn zu kombinieren, um daraus einen wertvollen Nutzen zu ziehen. Es ist das „Gold des Zufalls“, das nur derjenige findet, der seinen Blick geschult hat.
Die Kritik: Alles nur esoterisches Voodoo?
Oft hören wir oft die Skeptiker: „Das klingt nach ‘Laissez-faire’. Wir können unser Unternehmen doch nicht auf Basis von Unfällen aufbauen“. Und die Kritikpunkte sind durchaus berechtigt:
Unsere Antwort: Serendipität ist kein Ersatz für Strategie und planvolles Vorgehen, sondern ihre adaptive Erweiterung. Es geht nicht darum, den Plan aufzugeben, sondern das System so sensibel zu machen, dass es wertvolle Abweichungen erkennt, bevor sie als „Ausschuss“ entsorgt werden.
Wo das Unerwartete Resonanz findet
Wenn wir Serendipität zulassen, ist sie kein Chaos, sondern die lebendige Bestätigung unserer Identität. Sie kann sich auch nicht zuletzt in jedem normativen Elemente einer Unternehmensidentität. Auf Stabilität ausgelegte Werkzeuge, Konzepte und Vorgedachtes werden in “adaptive Energie” verwandelt:
Purpose (Das Warum) – Die Sinn-Bestätigung:
Der Purpose filtert das Chaos und Beliebigkeit. Wenn Mitarbeiter im Zufall eine Chance erkennen, die exakt zum Daseinszweck passt, entsteht tiefe Resonanz.
Vision (Das Wohin) – Die strategische Abkürzung:
Der Nordstern bleibt fix, aber die Route wird durch glückliche Zufälle plötzlich drastisch verkürzt.
Mission (Das Was) – Der Innovations-Turbo:
Serendipität sprengt die Grenzen der gewohnten Mission und zeigt uns neue Wege, für den Kunden da zu sein und einen “Auftrag” zu erfüllen.
Werte (Das Fundament) – Die Mut-Probe:
Werte entscheiden, ob eine Zufallsentdeckung im Verborgenen bleibt oder zum Erfolg wird.
Drei gute Gründe für das bewusste Zulassen des glücklichen Stolperns
Die 5 Do’s (Serendipität aktivieren)
Die 5 Don’ts (Serendipität ersticken)
Zurück zu Paul…
Paul wurde zum „Serendipity-Botschafter“. Heute hängt in seiner Kantine ein Schild: „Fehler sind nur Antworten auf Fragen, die wir noch nicht gestellt haben.“
Wann sind Sie zuletzt “glücklich gestolpert”?
#Organisationsentwicklung #ChangeManagement #Serendipität #Unternehmenskultur #InnovationDurchZufall #MarmeladenbrotEffekt #Antifragilität #ScharfsinnStattPlan #GlücklicheStolperer
Autor des Beitrags:
Jochen Schuchardt
Tel.: +49.211.73.065.365
Mail: jochen.schuchardt [a t] sevenhorizons.de
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